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Dreigliederung des Sozialen Organismus

Die Idee des dreigliedrigen sozialen Organismus, die zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts von Rudolf Steiner entwickelt wurde, ist das genaue Gegenteil vom real existierenden zentral gesteuerten Staaten- oder Staatenverbund-Konstrukt.

Im Mittelpunkt stehen die drei Wesensglieder Wirtschaftsleben, Rechtsleben und Geistesleben, die sich gemäß ihrer jeweiligen Funktion unabhängig voneinander verwalten und organisieren und gerade durch dieses Eigenleben in einen lebendigen Verbund gleich eines lebendigen Organismus treten können

 

Der Mensch

Im Mittelpunkt dieses Organismus steht der Mensch in seiner Dreigliedrigkeit KÖRPER, SEELE, GEIST.

In der Seele keimen, in Spiegelung zur Welt in die der Mensch hineingestellt ist, die Ideen für die er zunächst Gefühle und Leidenschaften entwickelt und die er über seinen Verstand ordnet und innerlich lebendig werden lässt. Im von kosmischen Geist durchwirkten reinen Denken bringt er dann reellen Bezug von der Außenwelt, wo er in seinen Handlungen wirkt, zu diesen Ideen und stimmt sie im Detail auf diese äußere Welt ab. Die Idee wird nun zum Plan. Diesen Plan setzt er dann mittels seines Körper infolge seiner Willenshandlungen in der Welt um.


In seiner Einzigartigkeit verbindet er sich mit anderen Menschen und somit mit anderen individuellen Fähigkeiten und Ideen, wodurch sich, zusammengenommen, lebende kleine Zellen bilden können. Aus dem lebendigen Organismus Mensch entsteht ein sozialer Organismus, aus dem heraus der Mensch für sich und seine Mitmenschen das Leben und seine persönliche Entwicklung regeln kann.

In diesem Sinne kann gleichermaßen eine Dorf-, Stadt- aber auch eine Regionale Gemeinschaft, ein Land und ein Nationalstaat autark und zum Wohle seiner Menschen existieren. Der eigentliche Organismus ist also jeweils die Gemeinde mit ihren Menschen, die Region mit ihren Gemeinden, das Land mit seinen Regionen, der Staat mit seinen Ländern und, noch weiter gefasst, die Welt als globaler Organismus mit ihren National-Staaten als, wie Rudolf Steiner es ausdrückte, lebendige Zellen.


Der Dreigliedrige Organismus entspricht somit auch dem menschlichen Körper, in dem die Zellen als zentrale Kraftwerke die Lebensgrundlage dieses Organismus gesehen werden können. Kopf (Wirtschaftsleben), rhythmisches System mit Herz-, Lungen- und Blutkreislauf (Rechtsleben) und Geistesleben (Stoffwechselsystem) sorgen in ihrem jeweiligen System für natürliche Ausgewogenheit und erhalten den Körper dadurch lebendig. Und wie der Mensch sich in seiner Organisation im Leben von innen heraus weiterentwickelt, gibt er diese Entwicklung stets auch dem sozialen Gefüge weiter, wo er immer im Mittelpunkt seines irdischen Lebens steht.

 

Geistesleben

Das Geistesleben steht für das Ich. Das wahre geistige Ich ist immer ungebunden und frei. Demnach braucht der Mensch auch eine Umgebung, in der das Ich sich frei entwickeln und entfalten kann.

Jeder Einfluss, der von übergeordneter staatlicher Stelle und somit fremd einwirkt, kann diese Entwicklung verzögern oder gar hemmen. Nur ein Mensch, der sein Gegenüber kennt und im persönlichen Austausch und Umgang steht mit ihm, kann sich ein Urteil oder einen freien Ratschlag bilden. Hierbei muss immer die Spiegelung zwischen Ich und dem anderen Ich gegeben sein. Das Ich, dass sich noch entwickelt braucht umso mehr den vorurteilsfreien Menschen beispielsweise als Pädagogen, Lehrer oder Arzt, denn das Ziel seiner Entwickelung, der fertige Mensch, steht da in gewisser Weise ja noch in den Sternen. Der erwachsene Mensch kann das Kind nur begleiten in Form und Geschick, in Harmonie und Gleichgewicht bringen, es aufrichten und den Weg ebnen, auf dem es sich fortentwickeln möchte.

Auch Spiritualität (Religion) und die Kunst müssen frei sein von jeglichem Einfluss, der sich auf Eigennutz und Macht bezieht. Denn das Erleben in diesen Dingen kann niemals objektiv sein von außen. Es ist ein rein inneres Erleben, das sich erst in Abstimmung von sich aus mit Kosmos und Erde verbinden und sich so als universelle Wahrheit offenbaren kann. Durch Kapital als Antrieb im individuellen künstlerischen Ausdruck und durch Dogma als Machtinstrument von außen gegenüber jeglicher Glaubensgesinnung, banne ich Gottes-Geist jeweils in die Materie, verarme ich den Geist, breche ich gar den göttlichen Willen, der sich im Menschen-Geist regt. So muss Recht sein, was dem Menschen seine ganze Freiheit gibt und auch lässt – im Sinne der Gemeinschaft statt im distanzierten Reglement eines Nationalstaates.

 

Rechtsleben

Vor dem Gesetz ist jeder gleich. Und Recht kann nur auf den Menschen in seiner Individualität bezogen ausgesprochen werden – dafür muss Raum gegeben sein.

Der Staat bleibt da ganz außen vor, er bietet lediglich die Verfassung für diesen Raum. Im Rechtsleben sind wir im Gefühl. Auch hier drückt sich das Geistesleben mit aus. Denn der Richter in seiner Weisheit, in seiner Welten- und Menschenkenntnis, urteilt nach entsprechend  moralischen und vernünftigen Maß, das den Menschen niemals übersehen kann. Es geht immer um den Menschen.
Auch in Regelung des Miteinander in allen Bereichen braucht es Verträge, damit Macht-Missbrauch und Willkür vermieden werden können. Wirtschaftliche Interessen dürfen im Rechtsleben niemals im Vordergrund stehen denn es wirkt unmittelbar auf das irdische Leben. Im Wirtschaftsleben bestimmen wir maßgeblich den Fortlauf unseres Lebens zwischen Tod und Geburt. Das Rechtsleben bietet die irdische Grundlage dafür, dass niemals im Egoismus oder im einseitigen Interesse zwischen den Menschen gehandelt werden kann.

 

Wirtschaftsleben

Der Mensch lebt für das auch, was er schöpft – im Geistigen, im Seelischen und im Physischen. Nicht er wird geschöpft, nicht er ist die Ware. Er muss da ganz frei im wirtschaftlichen Sinne sein mit den Faktoren der Produktion, des Vertriebes und des Verbrauches. Wir benötigen Dinge zum Leben auf der Erde. Wenn darauf die Schöpfung bezogen wird, ist das immer ein natürlicher Prozess, der im irdischen Sinne geregelt werden kann. Da geht es immer um einvernehmliche Übereinkunft, die vertraglich geregelt werden kann – ich arbeite weil ich lebe, ich arbeite nicht um zu leben. Durch von Menschen in ihrer Ganzheit durchwirkte Lenkungsorgane, so genannte Assoziationen, regeln die wirtschaftlichen Abläufe während das Kapital – der Geldschöpfung dienend – stets als Buchwert, niemals als Antrieb oder als Ware geführt werden kann.

Der Mensch ist auch in diesem Wesensglied des sozialen Organismus ganz im Mittelpunkt seines Schaffens und Wirkens. So wird auch beispielsweise ein Betrieb in dem Sinne vererbt, dass nicht eine bestimmte materielle Masse oder eine Blutlinie von vorneherein im Vordergrund steht, sondern die Ideen und die Schöpfungen und Erfindungen daraus, die sich dadurch stets dem entsprechenden Zeitgeist und den äußeren sich verändernden Gegebenheiten anpassen können.

 Das Wesensglied des Wirtschaftsleben steht für das Denken. Der Kopf ist das am weitesten entwickelte Organ des Menschen in seiner auch geistigen Evolution. Hier werden insbesondere jene Ideen verarbeitet, die sich vom Seelischen gelöst haben und die von göttlichem Geist durchdrungen wurden. Das prägt  den Sinn der Brüderlichkeit ganz wesentlich, da jegliche Emotionen und manch Verstandes-Überschwang außen vor bleiben.

 

Epilog

Sehen wir in unserem Ich-Erleben den dreigliedrigen sozialen Organismus als Ganzes, so erleben wir geistig nach, wie wir letzten Endes eine Welt erschaffen können, die dem Menschen seinem göttlichem Maße entsprechen kann. Auf der er seine kosmisch-irdische Entwicklung weiterführen und somit auch eine aus seiner ureigenen Schöpfung heraus, eine lebenswerte Erde seinen Nachkommen weitergeben kann.

Der Egoismus hält uns Menschen gefangen –  auf der Erde gleichermaßen wie auch in der übersinnlichen Welt. An jenen Orten und in Sphären, wo, wenn wir unsere physisch-stoffliche Hülle abgelegt haben, unsere geschaffene innere Seelenwelt zur Realität im Außen wird.

Das, was wir er-schaffen, auch für andere geistige Wesen, zu denen auch der Mensch gehört, beeinflusst nicht nur das irdische Zusammenleben sondern die übersinnlichen Welten im Besonderen. Die menschliche Schöpfung ebnet uns den Weg in die Sternenwelt zwischen Tod und Geburt in einem ganz besonderen Licht. Es ist dies das Licht unserer bedingungslosen göttlichen Liebe, es ist das Licht unserer eigenen inneren Freiheit.

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